Das im Herzen von Südamerika gelegene Bolivien bekommt von Touristen bisher weit weniger Beachtung als seine großen Nachbarn Argentinien und Brasilien, hat aber für abenteuerfreudige Reisende einiges zu bieten. Da Bolivien gleichzeitig sehr arm ist, aber durch seine spektakuläre und vielfältige Natur verfügt, ist der Ökotourismus und damit das Prinzip nachhaltig reisen, ganz nach dem Leitfaden der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Verträglichkeit, für dieses Land umso wichtiger. Es gilt die Natur zu schützen und zu erhalten, da diese auch eine wichtige Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung darstellt.
Sanfter Tourismus und nachhaltig reisen in Bolivien
Wie bereits erwähnt ist Bolivien ein sehr armes Land. Das Instituto Nacional de Estadística de Bolivia schätzt die Einwohnerzahl für das Jahr 2010 auf 10.426.160,00. Somit liegt auch die Bevölkerungsdichte bei unter 9 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Infrastruktur des Landes steckt noch in den Kinderschuhen. Es gibt zwar Straßen, Inlandsflüge und auch einige Eisenbahnstrecken, zum Großteil sieht der Reisealltag jedoch so aus, dass man sich mit wackeligen Reisebussen über plattgewalzte Lehmwege fortbewegt, da nur etwa 5 Prozent der Straßen asphaltiert oder gepflastert sind. Für den Abenteuerurlaub, Naturreisen oder Wanderreisen in Bolivien machen aber eben diese Bedingungen den Reiz aus. Urlauber und Reisende sollten auch vor der Tatsache, dass rund zwei Drittel der Einwohner Boliviens als arm gelten, nicht zurückschrecken. Wer für eine Kulturreise Bolivien als Reiseziel auswählt und sich den Gegebenheiten vor Ort bestmöglich anpasst, wird hierfür garantiert belohnt – mit Landschaften, die so weltweit einzigartig und atemberaubend sind.
Nachhaltiger Urlaub sollte in Bolivien schon damit anfangen, die Einheimischen und deren Lebensweise zu respektieren. Die meisten Bolivianer leben ein einfaches Leben, wohnen in schlichten kleinen Häusern oder Hütten und tragen zumeist noch traditionelle bunte Trachten. Hiervon besitzen sie oft nur eine einzige, die sie tagtäglich wieder anziehen. Auch die sanitären Anlagen sind zumeist sehr einfach. Unter diesen Umständen bedeutet nachhaltig reisen auch, auf teure Kleidung und auffälligen Schmuck zu verzichten. Grundsätzlich jedoch sind die Bolivianer sehr zurückhaltend und schüchtern gegenüber Touristen, einzig wenn sie etwas verkaufen möchten, sprechen sie Reisende an.
Wer nachhaltig reisen oder anders reisen nicht als Problem sondern als Herausforderung betrachtet, ist hier genau richtig: Um die Menschen vor Ort und die landeseigenen, regionalen Erzeugnisse zu unterstützen, bietet es sich an die traditionellen Speisen der Bolivianer zu probieren. Nach einer Wanderung durch den Regenwald kann man sich beispielsweise mit einem frisch zubereiteten Milchshake aus Bananen, Papayas oder Melonen erfrischen. Dabei sollte man auch berücksichtigen, dass bezüglich der Preise Handeln durchaus üblich ist. Zudem ist es an dieser Stelle wichtig um das Preisniveau im Land nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Zu starkes Handeln ist aber sicherlich unverhältnismäßig und sollte vermieden werden – immerhin können die meisten Einwohner jeden Boliviano gut gebrauchen. Auf jeden Fall lässt sich durch den Kauf regionaler Speisen und Produkte die Ökonomie Boliviens und vor allem auch kleinerer und ärmerer Regionen unterstützen, was voll und ganz im Sinne des Leitbildes nachhaltiger Tourismus ist.
Bolivien und der Ökotourismus
Aufgrund der landschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten ist sanfter Tourismus in Bolivien also nicht nur empfehlenswert, sondern meist auch unumgänglich. Die Natur ist abwechslungsreich, teils spektakulär und oft noch sehr ursprünglich. Da die Infrastruktur noch sehr ausbaufähig ist bleibt einem zumeist nichts anderes übrig, als mit einfachsten Mitteln und ortskundigen Führern zu reisen. Zu den großen Naturerlebnissen in Bolivien gehören sicherlich die Anden, zahlreiche Savannen, die tropischen Regenwaldgebiete des Amazonas, der berühmte Titicaca See und die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt.
Vor diesem Hintergrund ist der Ökotourismus in Bolivien, und hier speziell der sogenannte Ethno-Öko-Tourismus, ist ein bedeutungsvolles Erwerbsfeld. Das Vizeministerium für Tourismus fördert den ethnoökologischen Tourismus um langfristig eine eigenständige Entwicklung des Landes zu gewährleisten. In diesem Sinne sollen die Naturschätze und Attraktionen Boliviens für Touristen durchaus zugänglich und ansprechend präsentiert sein, die dort lebenden indigenen Völker jedoch in die Organisation integriert werden. Auf diese Weise sollen Nationalparks und Naturschutzgebiete bestmöglich geschützt werden.
Ökoreisen in den verschiedenen Regionen Boliviens
Wer an einer Abenteuerreise durch Bolivien interessiert ist, dem empfiehlt sich beispielsweise eine mehrtägige Tour durch die größte Salzwüste der Welt – die Salar de Uyuni: Mit einem ortskundigen Guide fährt man in kleinen Gruppen durch die atemberaubenden Weiten der Salzwüste. Da der Guide die Umwelt und die dort lebenden Tier ganz genau kennt, sorgt er auch dafür, dass diese nicht zerstört werden, ganz im Sinne des Ökotourismus. Solche Rundreisen bieten sich auch ganz besonders für den Familienurlaub in Bolivien an, da es neben der Salzwüste auch noch Vulkane, bunte Lagunen, Kakteeninseln, Geysire und abenteuerliche Steinformationen zu entdecken gilt. Für den Urlaub mit Kindern ideal sind auch die tierischen Reisebegleiter, die vielen Lamaarten wie Alpacas und Vicunas, sowie dutzende Flamingos in den farbenfrohen Lagunen. Für die Übernachtung können an Ökoreisen interessierte Urlauber beispielsweise ein Salzhotel mitten in der Wüste wählen. Nur zwei Stunden am Tag Strom und Wasser und alles, aber auch wirklich alles, besteht aus Salz: Wände, Decken, Tische, Bänke, die Lampen und sogar die Betten. Dieses naturnahe Hotel kann man getrost als Ökohotel bezeichnen. Für Familien mit Kindern genauso interessant ist der Urlaub im Baumhaus in Bolivien, vor allem im Regenwald. Sportbegeisterte Urlauber haben vielerorts die Möglichkeit, an geführten Lama-Trekkingtouren teilzunehmen. Dann wird nachhaltiger Urlaub in Bolivien auch schnell mal zu einem richtigen Abenteuerurlaub. Für nachhaltige Kulturreisen bietet sich in Bolivien die Erkundung des einstigen Inkareiches an.
Abschließend und generell gilt für den Eco Tourismus in Bolivien: Nachhaltig reisen bedeutet langsam reisen! Wer Bolivien entdecken und gleichzeitig Land und Leute schonen möchte, bringt am besten Zeit, Geduld und eine gewisse Anpassungsgabe mit. Dies wird dann auch garantiert mit spektakulären Erlebnissen und Eindrücken belohnt.
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