Argentinien ist der zweitgrößte Staat des Kontinentes Südamerika, dessen enorme Nord-Süd-Ausdehnung zu einer großen geographischen und klimatischen Vielfalt führt. Die Landeshauptstadt Buenos Aires ist einer der größten Ballungsräume Südamerikas. Wer Ökotourismus sucht oder zumindest nachhaltig reisen möchte, wird von der lauten, unübersichtlichen und schnelllebigen Stadt eher irritiert sein. Ein Aufenthalt lohnt sich trotzdem, versprüht Buenos Aires doch ein unverwechselbares Flair und Lebensgefühl und ermöglichen es den Reisenden, tief in die Kultur des Landes einzutauchen.

Bedeutung des Ökotourismus in Argentinien

Eine starke Ungleichheit prägt die soziale Situation des Landes: Es gibt ein starkes Wohlstandsgefälle sowohl zwischen arm und reich als auch zwischen einzelnen Regionen Argentiniens. Daher bietet nachhaltiger Tourismus dem Land und seinen Bewohnern auch die Chance wirtschaftlich schwächere Regionen als Reiseziel attraktiv zu machen und so nachhaltig zu fördern. Die Menschen in Argentinien sind meist sehr offen, temperamentvoll und äußerst hilfsbereit. Genauso gehört eine bedächtige Langsamkeit zur Kultur Argentiniens. Nachhaltiger Tourismus beginnt in diesem Kontext damit, die Lebensweise der Argentinier zu akzeptieren und sich dem gemächlichen Rhythmus des Landes anzupassen. Wenngleich vielen Touristen zu Argentinien zuerst einmal Tango, Steaks, Gauchos und Diego Maradonna in den Sinn kommen mögen, so hat das Land doch viel mehr zu bieten und überzeugt durch eine unglaublich abwechslungsreiche und schöne Landschaft, die zu Naturreisen einlädt. Da in Argentinien die Prinzipien Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein noch nicht so stark im Bewusstsein der Menschen verankert sind wie beispielsweise in Deutschland, ist es umso wichtiger, dass Touristen im Land nachhaltig reisen und dadurch auch ein Zeichen setzen.

Argentinien als Reiseziel für den Öko Urlaub

Wer nach Argentinien kommt, kann sich auf eine recht gute Infrastruktur einstellen. Es gibt zahlreiche Inlandsflüge und ein gut ausgebautes Straßennetz. Was es nicht gibt: eine Eisenbahn. Zumindest keine, die für Personen nutzbar ist. Zwar gibt es ein rudimentäres Streckennetz, der weitere Ausbau dieses Netzes und vor allem das Aufkommen von Personenverkehr wurde jedoch im Keim schnell erstickt. Das Land verfügt aber über ein überregionales Busnetz, mittels welchem sich in Argentinien alle Regionen und Landesteile bequem erreichen lassen. Die Busse sind klimatisiert und entsprechen europäischem Standard. Längere Strecken fährt man dabei am besten über Nacht und spart sich auch noch Hotel- oder Hostelkosten. Zudem lässt sich dieser Aspekt der Reise, die Fortbewegung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, auch noch wunderbar mit dem Prinzip sanfter Tourismus in Einklang bringen.

Wer Argentinien ganz im Sinne des Eco Tourismus erkundet hat potentiell unzählige spannende Naturziele zur Auswahl. Zahlreiche Naturreservate ermöglichen es den Besuchern, exotische Tierarten in ihren ursprünglichen Habitaten zu erleben. Naturreisen, Wanderreisen, Safaris und Trekkingausflüge, jeweils von ortskundigen Organisationen geleitet, sind nur einige der Möglichkeiten für Anhänger des Ökotourismus. Spannende Ziele für Reisende, die Wert auf anders reisen legen, sind das Unterwassersport Gebiet auf der Halbinsel Valdés sowie Trekkingtouren in den Wäldern, Seen, Bergen und Lagunen der Provinzen Mendoza, Rio Negro, Neuquén und Corrientes. Empfehlenswert ist zudem eine Übernachtung in einer argentinischen Estancia auf dem Land. In der Sparte des Agritourismus lassen sich so argentinische Traditionen und Bräuche kennenlernen und das Land lässt sich fernab anonymer Hotels erleben. Die Estancias versprühen meist ursprünglichen und traditionellen Charme und bestechen vor allem durch ihre zumeist herzlichen und gastfreundlichen Besitzer – ideal vor allem für den Familienurlaub mit Kindern.
Eine etwas edlere, aber ebenso nachhaltige Variante, sind Eco Resorts und Eco Lodges, von denen es in Argentinien einige gibt. Diese sind oft sehr luxuriös und verbinden Wellness und Erholung mit Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Reisende können hier einen Öko Urlaub verbringen und trotzdem den gewohnten Standard halten.

Ein kleiner Geheimtipp für Freunde von Ökoreisen ist die „Quebrada de Humahuaca“, eine riesige Schlucht im Norden des Landes, die durch ihre farbenfrohen Gesteinsschichten besticht. Der „Cerro de los Siete Colores“, der siebenfarbige Canyon, wirkt fast unwirklich mit seinen sieben kunterbunten Schichten. Wenig verwunderlich also, dass die „Quebrada de Humahuaca“ 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Wer abenteuerfreudig ist kann sich hier sogar aufs Pferd schwingen und den Canyon auf diesem Wege erkunden. Nachhaltiger Tourismus zeigt sich hier allerdings in der Auswahl des jeweiligen Reitbetriebes: Die Pferde sollten sichtbar gut gepflegt sein, der Hof in guten Zustand und der Ton mit den Tieren nicht allzu rau. Wer es im wahrsten Sinne des Wortes lieber bodenständig mag und den Canyon auf seinen eigenen Füßen durchqueren möchte, bucht am besten eine Trekkingtour oder Wanderreise durch die Quebrada.

Neben diesem sehr speziellen Fleck Natur gibt es in Argentinien auf mehr als 3,6 Millionen Hektar Land zahlreiche Nationalparks und Naturschutzgebiete, in denen wertvolle ökologische Ressourcen verwaltet werden. Die Gebiete sind verteilt über das ganze Land, reichen von Jujuy im Norden bis Feuerland im Süden und begeistern mit vielgestaltigen Landschaften, darunter Wüsten, Urwälder und an Mondlandschaften erinnernde Canyons. Das Umweltbewusstsein der Argentinier ist zumindest in den ländlichen Regionen durch die Entstehung der Reservate leicht gestiegen, was sicherlich ein positives Signal für den Ökotourismus ist. Nachhaltiger Tourismus, der zum Erhalt der unterschiedlichen biologischen Gebiete beiträgt und das reiche Naturerbe Argentiniens schützt, ist daher für dieses Land von ungeheurer Wichtigkeit.