Eine Flugreise in entfernte Länder ist die Reiseart, die dem umweltbewussten Urlauber am meisten widerstrebt. Aufgrund der überdurchschnittlich hohen Treibhausgas-Emissionen – besonders im Vergleich mit der Anreise per Bahn oder dem PKW, passt diese Art der Anreise so gar nicht in das Prinzip nachhaltiger Urlaub. Allein ein Flug von Frankfurt nach Teneriffa sorgt für einen CO2-Ausstoß von 2 Tonnen – pro Passagier wohl gemerkt. Insgesamt kommt der Durchschnittsdeutsche auf einen CO2-Ausstoß von etwa 11t im Jahr. Flugreisen sind also wahrlich kein Hort des Ökotourismus. Doch die Industrie versucht, die Widersprüche zwischen dem Prinzip nachhaltiges Reisen und dem Flugverkehr abzubauen. Neuerdings testen verschiedene Airlines ein Flugsystem, welches dazu führen könnte, dass Urlauber, die Wert auf klimaschonendes Reisen legen, auch eine Naturreise nach Südamerika oder den Familienurlaub in einem Eco Resort in der Karibik in Erwägung ziehen könnten.
Klimaschutz und Flugreisen
Grundsätzlich steht nach einem langen Flug das Wichtigste erst noch bevor: um Maschine und Passagiere wieder heil auf die Erde zu bringen, beginnt der Pilot mit dem Landeanflug auf den Zielflughafen. Bisher ist das Instrumentenlandesystem (ILS) das am häufigsten genutzte System für Anflüge. Der Pilot reduziert dabei während des Sinkfluges die Höhe stufenweise. Dazwischen wird die jeweilige Höhe teilweise kilometerlang gehalten – mit entsprechendem Kerosinverbrauch. Bereits weit vor der Landebahn schwenkt die Maschine auf die Anfluggrundlinie ein und wird von dort zur Landebahn geleitet.
Nun jedoch steht ein neues System vor der Tür. Das Ziel: den Kerosinverbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren. Angenehmer Nebeneffekt ist eine Neuberechnung und teilweise auch Verkürzung der Anflugwege. So können auch dicht besiedelte Räume bei der Landung besser umflogen werden. Die Lärmbelastung für die Anwohner nimmt also deutlich ab. Daher stammt die Bezeichnung “Grüner Anflug”.
Wesentliches Element dieses neuen Systems ist RNP. Die Required Navigation Performance sorgt dafür, dass das Flugzeug nicht mehr einzelnen Funkfeuern bis zum Leitstrahl des Instrumentenlandesystems folgen muss. Vielmehr ist der Weg zur Piste nun im Bordcomputer programmiert und der Anflugweg lässt sich so verkürzen. Emissionen in Form von Lärm, Abgasen und Treibhausgasen können eingespart werden.
Ein wahrhaft “Grüner Anflug” wird RNP allerdings erst, wenn man es mit einem weiteren neuen Verfahren kombiniert. Mit CDA, der Continous Descent Approach, also dem kontinuierlichen Sinkflug-verfahren, kann die Energieeffizienz noch deutlich gesteigert werden. Wie oben erwähnt, sinkt das Flugzeug beim klassischen Instrumentenanflug stufen-weise. Die Triebwerke müssen die aktuelle Höhe halten, in den immer niedrigeren Luftschichten steigt der Kerosinverbrauch. Beim kontinuierlichen Sinkflug werden die Triebwerke stattdessen in den Leerlauf geschaltet. Segelflugartig folgt das Flugzeug anschließend dem via RNP programmierten Kurs. Die Lärmreduzierung in Folge des Triebwerkleerlaufs ist signifikant.
Sanfter Tourismus mit Hilfe von Technik
Für viele Flughäfen, die im dicht besiedelten Gebiet liegen, ergeben sich so neue Persperktiven. Für die Flugindustrie generell wird es leichter, die selbst gesteckten Ziele zur CO2-Reduktion auch tatsächlich wahr werden zu lassen. So hilft der technische Fortschritt dabei, die Ökobilanz von Flugzeugen zu verbessern. Das neue System “Grüner Anflug” hat also durchaus Vorteile, sowohl für die Umwelt, als auch für die Anwohner in den Urlaubsregionen. Obendrein haben Urlauber auch die Möglichkeit die CO2-Emissionen, die durch den Flug zum Urlaubsziel entstehen, durch den Kauf von Zertifikaten zu kompensieren. Genauere Informationen zum Thema Treibhausgas-belastung durch verschiedene Urlaubsarten finden sich in der WWF-Studie zum “touristischen Klima-Fußabdruck”. Wer sich dafür interessiert, wie viel kg CO2 durch den eigenen Flug in den Urlaub verursacht werden, der kann dies auf der Seite CO2-Rechner überprüfen. Insgesamt werden diese Methoden allein zwar noch nicht ausreichen, um das Fliegen in eine klimaschonende Reiseart zu verwandeln, aber es kann als wichtiger Schritt in Richtung sanfter Tourismus bei Flugreisen betrachtet werden.
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